Posts mit dem Label Gesang werden angezeigt. Alle Posts anzeigen
Posts mit dem Label Gesang werden angezeigt. Alle Posts anzeigen

Sonntag, 1. Dezember 2019

Hotel Bossa Nova

Hotel Bossa Nova brachte mit Bossa- und Samba-Klängen Wärme in das hinter den dicken Mauern der Magdeburger Festung liegende „Stübchen“.
Liza da Costa – Gesang
Tilmann Höhn – Gitarre
Alexander Sonntag – Bass
Wolfgang Stamm – Schlagzeug

Bereits während Liza da Costa das Publikum begrüßt, wird sie von Tilmann Höhn mit groovigen Gitarrenriffs begleitet. Schon in den ersten Liedern begeistert die Sängerin mit warmen Klängen, mit Liedern, in denen sie Geschichten erzählt. Etwa Strada amarela, der gelbe Weg, der durch das Land führt,  oder ein Lied dessen Titel sie mit „ich gehöre nicht dazu“ übersetzte und das sie ihren Eltern widmete, die als Fremde nach Deutschland kamen. Ein sehr gefühlvolles und zärtliches Lied.

Sonntag, 15. September 2019

Drees – Bauer – Morgenstern

Die neue Saison der Freien Klänge in der Festung Mark begann mit einem Konzert voller musikalischer Experimente, von drei Musikern, die mit Können und Spielfreude schon jeder für sich den Abend füllen könnten. Sie zusammen zu hören war ein Erlebnis, das aber auch Konzentration und ein Mitdenken, vielleicht besser: ein Mitfühlen der musikalischen Ideen erforderte.
Simon Jakob Drees – Violine und Stimme
Matthias Bauer – Kontrabass und Stimme
Tobias Morgenstern – Akkordeon
Simon Jakob Drees, Christian Morgenstern und
Matthias Bauer (von links) in der Festung Mark
Simon Jakob Drees, Initiator und Ideengeber des Trios, greift zu seiner Violine, doch statt mit dem Geigenbogen beginnt er das Konzert mit seiner Stimme. Mit Obertongesang, der bald darauf von Bass und Akkordeon leise begleitet wird. Als er dann doch mit dem Bogen über die Saiten streicht, dann anscheinend nur, um sich für seine vokalen Töne Anregungen von der Violine zu holen.

Matthias Bauer entlockt derweil seinem Bass ungeahnt hohe Töne, wenn er die Saiten unterhalb des Steges streicht oder die Saiten mal mit dem Bogen anschlägt, mal mit dem Griff des Bogens Geräusche auf dem Instrument erzeugt. Da ist der Bass mehr Percussion- als Streichinstrument.

Tobias Morgenstern, der Meister auf dem Akkordeon, ist in seinem Element, wenn es um französisch klingende Einflüsse der Musik geht, und ist zugleich ein wunderbar einfühlsamer Begleiter der beiden Streichinstrumente. Aber was heißt hier Streichinstrumente und da Akkordeon – wenig später werden alle drei Instrumente zu Percussion-Instrumenten, wenn die Musiker auf den Körpern der Instrumente klappern, klopfen, schlagen, wenn Morgenstern den Balg seines Akkordeons rhythmisch hin und her bewegt, mit den Fingern darauf entlang fährt. Als nach und nach jeder wieder zu den gewohnten Klängen des Instruments zurückfindet, entwickelt sich aus den Rhythmen allmählich eine Musette. Tänzerische Passagen sind zu hören, die die Musiker aus osteuropäischen wie aus französischen Einflüssen heraus improvisiert zusammensetzen.

Sonntag, 9. Dezember 2018

Christiane Hagedorn und Martin Scholz: Swinging Noël

Christiane Hagedorn und Martin Scholz (alias Duo Conjak) kamen mit ihrem Programm Swinging Noël in die Festung Mark. Mit Weihnachtsliedern rund um die Welt, romantische ebenso wie fröhlich beschwingte.
Christiane Hagedorn – Gesang, Geige, Blockflöte
Martin Scholz – Piano, Kornett, Percussion

Mit dem Winterklassiker "Let it snow" begannen die beiden Musiker ihr Winter- und Weihnachtsprogramm sehr romantisch, als Christiane Hagedorn mit ihrer warmen Stimme verführerisch "When we finally kiss good night..." hinhauchte, von der Liebe sang, die einen auf dem Weg durch den Schnee warm hält. Darauf folgte eine interessante Interpretation von Martin Luthers "vom Himmel hoch da kam ich her", das es hier in einer swingenden Version gab, in die moderne Zeit geholt und von Martin Scholz am Klavier mit karibischen Rhythmen begleitet. Das brachte musikalische Wärme in den regnerischen Magdeburger Dezemberabend.

Der Abend war zugleich eine musikalische Weltreise rund um den Globus, überall hin wo Weihnachten besungen wird. Ein großer Teil des Programms kam aus dem französischen und italienischen Sprachraum. Da war dann von drei Engeln zu hören, die vom Himmel kamen und dem Christkind Rosen, Weihrauch und ein goldenes Gewand brachten (Trois anges sont venus ce soir) und Christiane Hagedorn pfiff die Melodie dazu wie der Spatz von den Dächern von Paris. Oder ein Lied vom "Bambino divino", dem göttlichen Kind, das im Stroh schlafen muss, eine schöne Ballade, mit swingenden Klaviertönen als musikalischem Kontrast, dann eines aus Argentinien. "Ein Stern ist gefallen in der Nacht, lass ihn uns suchen geh'n, er muss dort unten in der Schlucht liegen", übersetzt Christiane Hagedorn den Text für die Zuhörer. Dann ein italienisches Weihnachtslied, von Martin Scholz am Cornett begleitet.

Englische Hirtenlieder (von Christiane Hagedorn mit der Flöte begleitet) waren ebenso zu hören wie irische Traditionals, auf der Geige gespielt oder "Soul Cake", das in der Version von Sting wohl am bekanntesten ist: ein Lied über die Kekse, die zu Allerheiligen für die armen Seelen nach draußen gestellt werden. Im Christiane Hagedorns Interpretation konnte man sich aber auch an die Frierenden auf den Straßen erinnert fühlen. Auch ein Christmas Song von Jethro Tull war eher nachdenklich, wenn es darin heißt man solle daran denken, dass der Geist der Weihnacht nicht im Glühwein liegt ("Christmas spirit is not what you drink").

Sonntag, 9. September 2018

Petit Standard

Heute war "Petit Standard" bei den Freien Klängen in der Festung Mark zu hören.
Vesna Pisarović – Gesang
Henning Sieverts – Bass
John Betsch – Schlagzeug

Vor dem Beginn des Freie-Klänge-Konzertes weist Warnfried Altmann auf die Besonderheit der kleinen Konzertreihe in der großen Festung Mark hin. „Hier in der Festung gibt es Konzerte mit tausend Leuten und dann wieder so etwas wie heute, kleine Konzerte abseits des Mainstreams“, Konzerte, die Vielfalt in die Musik bringen, weg von dem allzu oft gehörten führen und gerade deshalb hörenswert sind. Zu solchen Konzerten zählte ganz gewiss auch das heutige.

Schon die Besetzung – die Sängerin wird allein von Bass und Schlagzeug begleitet – ist ungewöhnlich, es gibt kein Melodieinstrument in der Band. Vesna Pisarović wird auch nicht im eigentlichen Sinn begleitet, vielmehr wird die Musik von einem Wechselspiel zwischen der Sängerin mit ihrer klaren, kräftigen Stimme und den beiden Instrumenten bestimmt. Sie steht im Vordergrund der Band, singt voller Ausdruck und Gefühl, erzählt mit ihren Liedern Geschichten. Geschichten, von denen viele von Einsamkeit, vergeblicher Liebe oder Sehnsucht handeln, mit Textzeilen wie „A Flower is a lownesome thing“, „It‘s over now“, „Come spend this lazy afternoon with me“, „The man I love … I do my best to make him stay“. Lieder, bei denen der melancholischer Unterton ihrer Texte von Pisarovićs kräftigem Gesang kontrastiert wird.

Sonntag, 12. August 2018

Max Clouth Clan feat. Varijashree Venugopal

Heute stellte der Max-Clouth-Clan auf der Bühne der Freien Klänge in der Festung Mark sein neues Album "Kamaloka" vor. Mit dabei: die indische Sängerin Varijashree Venugopal. 
Max Clouth – Gitarre
Andrey Shabashev – Keys
Markus Wach – Bass
Martin Standke – Schlagzeug
Varijashree Venugopal – Gesang

Max Clouth setzt sich lässig auf den Hocker und beginnt seine doppelhalsige Gitarre zu stimmen. Bereits da hört man indische Klänge in ihren von europäischen  Gewohnheiten abweichenden Tonleitern und den viele Zwischentönen. Genau dafür hat seine Gitarre auf einem der beiden Hälse keine Bunde. Unmerklich geht das Stimmen des Instrumentes in das Konzert über, die Musik klingt ruhig, akustisch. Nur vom Keyboard kommen elektronische Effekte, verzerrte Töne, an Fusion-Musik angelehnt und die Musik ins Jazzige hinein führend. Max Clouth begleitet in „Kusadasi Kelim“ die sich wiederholenden musikalischen Muster seiner Band mit virtuosen, mal spanisch angehauchten, mal indisch inspirierten Klängen. Dabei sollte es aber nicht bleiben. Max Clouth, der sich nach seinem Musikstudium lange Zeit in Indien aufhielt, um sich dort intensiv mit der indischen Musik zu beschäftigen, will sich nicht in die vielen Musiker einreihen, die nur exotische indische Klänge als „Weltmusik“ spielen: „Ich will etwas neues schaffen, etwas, was es noch nicht so gibt“, sagt der Musiker im Gespräch, „ich finde es interessanter, wenn ich mich mehr an Rock und Pop orientiere“. Und so sind die folgenden Titel aus seiner aktuellen, im April 2018 erschienenen CD Kamaloka, wie „Hamsa – Soham“ nochmals kräftiger und rhythmusbetonter. Nicht aber ohne die melodiösen Wurzeln der indischen Musik ganz zu verlassen. Bei anderen Stücken ist dann auch mal Markus Wach am Baß für die indischen Zwischentöne zuständig, erzeugt mystische Stimmungen, über die Max Clouth seine Melodien legt.

Interessant sind die Bilder, die entstehen, wenn Max Clouth die Bezeichnungen der Musikstücke übersetzt. So heißt eines Shyam, indisch für Abend, und er möchte die nächtliche Atmosphäre indischer Großstädte beschreiben. Wenn man hört, wie sich in einen ruhigen melodischen Beginn urplötzlich und beinahe explosionsartig das Schlagzeug (Martin Standke) einbricht, dann hat, wer schon einmal in diesen Weltgegenden war, die Mischung aus wenigen ruhigen Gassen und lauten quirligen Straßen voller Menschen und Verkehr vor Augen.

Kurz vor Ende des ersten Set holt Max Clouth die indische Sängerin Varijashree Venugopa auf die Bühne. Die durchaus europäisch geprägten, ruhigen Melodien begleitet sie mit einer zarten und zugleich ausdrucksstarken Stimme. Ursprünglich in klassischer indischer Musik ausgebildet, lässt sie sich inzwischen vom europäischen Jazzgesang beeinflussen. „Mir ist der Austausch zwischen den Kulturen wichtig“, sagt die Sängerin dazu.

Sonntag, 8. April 2018

Le Bang Bang

Heute war "Le Bang Bang" bei den Freien Klängen zu hören.
Stefanie Boltz – Gesang
Sven Faller – Bass

Gesang und Kontrabaß: eine auf den ersten Blick ungewöhnliche Kombination, die im Konzert jedoch einen ungeahnten Reiz entwickelt. Die Gesangsstimme steht dann pur auf der Bühne ("pure" heißt dann auch das aktuelle Album), ohne die Melodiestimme einer Band, während der Baß eine akustische Untermalung gibt, einen Rahmen liefert. Und auch der Baß klingt da anders als der Baß in einer Band, der oft im Hintergrund agiert. Hier steht auch der Baß nicht nur optisch deutlich präsent auf der Bühne, sondern ist auch akustisch gegenwärtig, ist deutlich warnehmbar. Als "Pur" beschreiben die beiden auch die Idee, die hinter ihrer Musik steckt. "Wir haben versucht, die Melodien ganz nackt auf die CD zu bringen, die Essenz der Musik herauszuholen", berichten sie, "und wir haben sie an den Orten unserer Konzerte aufgenommen, direkt auf der Bühne, wenn das Publikum gegangen war, noch mit dem gerade zu Ende gegangenen Konzert im Gefühl".

Stefanie Boltz erzählt im Jazz-Gesang Geschichten. Geschichten, die vom Leben handeln, von der Liebe. "Eigentlich sind alle der heute gespielten Lieder Liebeslieder", sagen die Musiker im Konzert. Und so singt Stefanie Boltz dann auch "Save your love for me" oder "Wish fall in love with you" voller Gefühl und zugleich mit einer großen Klarheit in der Stimme. Sven Faller erzeugt dazu mit seinem elektronisch verstärkten Baß eine eigene akustische Welt, spielt Melodien, in denen man auch  mal indische Klänge heraushört, Synthesizer-Weltraumklänge aus Science-Fiction-Filmen oder Echos in großen leeren Hallen. Faller nutzt seinen Baß aber auch als Schlagzeug und Percussion-Instrument, klopft und trommelt auf ihm, bearbeitet ihn mit Händen und Fäusten, nutzt gelegentlich auch eine Loop-Station.

Sonntag, 11. März 2018

Atesh Tayfa

Heute war mit "Atesh Tayfa" ein bulgarisches Ensemble auf der Bühne der Freien Klänge zu erleben.
Ateshghan Yuseinov – Guitars
Dimitar Gorchakov – Piano, Keyb.
Skiller – Beatboxing
Venera Todorova – Vocal

Die Freien Klänge sind immer für eine Überraschung gut. Diesmal besteht sie im aus dem Hip-Hop stammenden Beatboxing. Und so tritt dann eben auch einer der Musiker mit typischer Hip-Hop-Kappe auf dem Kopf auf: Skiller, den Warnfried Altmann als Gewinner einer Beatboxing-Championship vorstellt und  über den er sagt "ich habe gestern (da spielten die Musiker in Altmanns Heimatdorf Wangelin) zum ersten Mal erlebt, daß man Schlagzeugklänge mit dem Mund erzeugen kann".

Die Musik beginnt mit ein paar klassischen Klavierakkorden, denen sich bald die E-Gitarre überlagert, auf der Ateshghan Yuseinov orientalisch anmutende Klänge erzeugt. Doch schon bald verschwimmen die musikalischen Grenzen, hört man auch spanische Gitarre heraus. In die Instrumente hinein mischt sich Skiller, der auf nichts anderem als einem Mikrophon, kräftigem Verstärker und Baßboxen Schlagzeugklänge hinzufügt. Und bei diesem mit dem Mund erzeugten Schlagzeug ist von der Bass Drum, über die Snare Drum bis zum Hi-Hat alles enthalten. Und man sieht auch die Hip-Hop-typischen Bewegungen der Hände, die die Musik unterstreichen und wohl unweigerlich dazugehören.

Bei anderen Stücken, als dann Venera Todorova hinzukommt, dominieren eher die leiseren Töne, wird die Stimme der Sängerin nur leise von der Gitarre begleitet. Aber auch Skiller "kann leise", paßt sich mit seinem Mund-Schlagzeug an Gesang und Gitarre an. Auch Percussion-Klänge, bis hin zum leisen Säuseln des Windes oder Vogelgezwitscher werden von ihm imitiert.

Im Piano-Solo von Dimitar Gorchakov läßt sein Spiel das Gefühl von Bar-Atmosphäre entstehen. Als dann die anderen Musiker einstimmen, klingt die Musik nach irgend etwas zwischen Balkan-Folk und leichtem Jazz. Mitunter fühlte man sich auch an die Musik der Jazz-Gitarrenvirtuosen der 70er Jahre wie John Maclaughlin erinnert, wenn Ateshghan Yuseinov von Skiller am Schlagzeug begleitet wird.

Die Musiker nehmen das Publikum mit auf eine Reise, die irgendwo am Schwarzen Meer beginnt, durch den Bosporus an der Türkei vorbei führt und dann rund ums Mittelmehr geht. Nach den Wurzeln ihrer Musik gefragt, sagen Sie "das ist natürlich sehr viel bulgarische Volksmusik, aber auch Einflüsse aus Rumänien oder Mazedonien". Die bulgarische Liedtexte muß das Publikum über das musikalische Gefühl aufnehmen (sofern es nicht der bulgarischen Sprache kundig ist). Da meint man lustige Tanzmusik ebenso heraus zu hören wie melancholische Liebeslieder. Und es ist viel Improvisation dabei, wenn sich die vier gegenseitig Melodien zuspielen oder -singen, und ausdrucksstarker Jazz-Gesang von Venera Todorova.

Sonntag, 14. Januar 2018

Boi Akih

Heute spielte das Duo Boi Akih bei den Freien Klängen.
Monica Akihary – voice
Niels Brouwer – guitar

Monika Akihary beginnt leise zu singen, fast nur ein Sprechgesang, einzelne Silben, die sich über die Gitarrenakkorde von Niels Brouwer legen. Schon bald hat man sich eingehört und wenige Worte der poetischen englischen Texte genügen, um Assoziationen entstehen zu lassen. „Wenn es Abend wird und dunkle Schatten die Berge entlang aufsteigen“, heißt es da etwa, vom mystischen Klang der Bäume ist die Rede, von den funkelnden Augen eines Mädchens, und so meint der Zuhörer es auch in Monika Akiharys Gesang wiederzufinden, in ihrer zugleich sanften wie ausdrucksstarken Stimme, in der sie Melodien und Lieder ihrer indonesischen Heimat mit europäischem Jazz-Gesang vermischt. „Ich lasse mich von der Atmosphäre der Städte und den Landschaften inspirieren, in die ich gereist bin“, sagt sie später, im Gespräch nach  dem Konzert. Und so finden sich in der Musik des niederländischen Duos Einflüsse aus Indonesien und Akiharys Heimatinsel Harukku ebenso wie Musik aus Afrika, Mexiko, Brasilen oder China. 

Sonntag, 10. September 2017

Vientos del Caribe

Am Sonntag, dem 10. September 2017 standen Vientos del Caribe auf der Bühne der Freien Klänge. Die fünf Musiker brachten die Wärme des Sommers und den Rhythmus und Drive der karibischen Musik in die dicken Mauern der Festung Mark.
Jeannifer Martin – Gesang
Christoph Baselt – Klavier
Mohi Buschendorf – Bass
Orlando Carmona Garcia – Percussion
Marko Philipp – Schlagzeug

Während noch Geräusche vom im Innenhof stattfindenden Hoffest leise durch die Festungsmauern kommen, setzt die Band mit einer Kraft und mitreißenden Stimmung ein, die alle anderen Töne vergessen macht. Die fünf Musiker brachten Musik mit, wie sie sonst auf sonnigen Inseln mit warmen Stränden und fröhlichen Menschen erklingt. Aber irgendetwas ist doch anders als erwartet: zu hören sind nicht die soundsovielten Versionen von Guantanamera oder Chan Chan, sondern vor allem bekannte Rock- und Pop-Titel, die die Musiker an die karibischen Rhythmen anpaßten. Wie Pianist Christoph Baselt, von dem die Adaptionen und Arrangements stammten, erklärte, werden von der Band die englischen Titel nicht "einfachen so" gecovert: "Für die Musik unserer Band und für unser aktuelles Album Metamorfosis suchen wir uns Titel aus, die vom Gefühl her zu den karibischen und kubanischen Rhythmen passen, fügen auch noch eigene Texte hinzu und machen sie damit zu etwas eigenem". Und so wirkte die Musik dann auch  – vertraut und doch so ganz anders. Später waren dann natürlich auch Titel wie Bésame mucho zu hören, die selbstverständlich nicht fehlen durften.

Sonntag, 9. April 2017

Di Grine Kuzine

Heute brachte "Die Grine Kuzine" Weltmusik aus Berlin auf die Bühne der Freien Klänge.
Alexandra Dimitroff – Gesang, Akordeon
Steffen Zimmer alias Karel Komnatoff – Trompete & Flügelhorn
Stefan Fräntzel – Klarinette & Sopransaxophon
Sebastian Kunzke – Tuba
Marco Baresi – Schlagzeug

Schon bei den ersten, lebendigen und äußerst kräftigen Klängen war klar, daß die Grine Kuzine normalerweise viel größere Räume als die nicht viel mehr als drei Wohnzimmer große Kulturwerkstatt der Festung Mark mit ihrem Sound füllt. Mit vollem Einsatz von Schlagzeug, Tuba, Trompete und Klarinette und vor allem dem Akkordeon und der Stimme von Alexandra Dimitroff gab es lebendigen Balkansound auf die Ohren, daß die Wände der Festung wackelten.

Dabei lebt die Musik ebenso vom Können und dem Zusammenspiel der Musiker wie von den Texten der Lieder. Mitunter konterkariert die Musik auch den Text, wenn etwa "Die Sonne scheint nicht mehr" melancholisch sein müßte, hätte es nicht diesen Drive und Rhythmus. Oder es werden geografische Zusammenhänge mit ein paar Takten weggewischt, wenn Lieder aus Süditalien bei den typischen Bläserklängen die Frage "Italien? Liegt das nicht auch auf dem Balkan?" aufkommen lassen. Irgendwie ist die Musik der Bands fast immer mit osteuropäischen Traditionen verbunden. Wenn Musik aus Trakien ("Da, wo Spartakus herkommt") erklingt, sowieso. "Schlimm sind die Flüche auf dem Balkan" übersetzt Sängerin Alexandra Dimitroff einen Liedtext und stimmt ein Lied über die Eifersucht an. Und da ist er schon wieder, dieser tolle Sound mit seinem Parallelklang der Bläser. 

Sonntag, 12. März 2017

Haig Yazdjian's Acoustic-Trio

Bei den "Freien Klängen" stand am heutigen Sonntagabend Haig Yazdjian's Acoustic-Trio auf der Bühne der Kulturwerkstatt in der Festung Mark.
Haig Yazdjian – Oud & Voice
Tasos Poulios – Kanun & Voice
Giorgos Kontogiannis – Lyra und Percussion

Der aus Aleppo in Syrien stammende Haig Yazdjian wuchs als Sohn armenischer Eltern in Syrien auf und lebt seit 1988 in Griechenland. Von dort kommen auch seine beiden Musikerkollegen. Die Musik jedoch stammt aus dem gesamten Mittelmeerraum. Die arabische Musik wird überlagert von griechischer und auch westliche Einflüsse bis hin zum Jazz lassen sich finden. 

Am Beginn stehen typische arabische Klänge, als würde Haig Yazdjian die Zuhörer einstimmen wollen auf ein Konzert mit Musik aus 1001 Nacht. Später kommen Giorgos Kontogiannis mit seiner Lyra, die er mit dem Bogen streicht, und Tasos Poulios mit dem Kanun, einer orientalischen Variante der Zither, die mit kleinen Hebeln zusätzlich in der Stimmung verstellt werden kann. Aus dem Zusammenspiel ergibt sich eine Melodie, die fremd und zugleich seltsam vertraut klingt. Vertraut durch Weltmusik-Bands aus dem arabischen Raum oder vielleicht auch durch Urlaubsreisen in den Mittelmeer-Raum.

Sonntag, 11. Dezember 2016

Martha-Mavroidi-Trio

Heute war das Martha-Mavroidi-Trio auf der Bühne der Freien Klänge zu hören.
Martha Mavroidi – electric lafta, saz, voice
Giorgos Ventouris – doublebass
Stratis Psaradellis – politiki lyra

Das Konzert beginnt mit leisen, dunklen Melodien, bei denen die griechische Lautenistin und Sängerin Martha Mavroidi von Giorgos Ventouris am gestrichenen Baß und Vaggelis Karipis an der dreiseitigen Lyra begleitet wird. Später, als sie zu singen beginnt, hört man ruhige Lieder, denen man einfach vom Gefühl her folgen und lauschen möchte. Alte Liebeslieder (wie das vom Vogel, der sein Nest baut und dann zu seiner Braut fliegt) sind ebenso darunter wie Tänze. Musik, die sich aus Quellen rund um das Mittelmehr speist, wie Martha Mavroidi erklärt, Musik aus der griechischen Heimat der drei Musiker, aus Bulgarien, Armenien oder der Türkei. Eine Besucherin meinte auch mazedonische Töne herausgehört zu haben. Gelegentlich mischen sich Einflüsse des europäischen Jazz in die alten Melodien. Das machen die Musiker dann aber vorsichtig und den traditionellen Charakter der Musik erhaltend. Mitunter wird in den Titeln der Stücke die gemischte Herkunft der Musik hörbar gemacht. So bei Kopanitzadam (einer in Amsterdam entstandenen Bearbeitung der bulgarischen Tanzmelodie Kopanitza). Heraus kommt eine Weltmusik, die sich eher am Orient als am Okzident anlehnt. Gut hörbar und durchaus auch schwungvoll.

Sonntag, 13. November 2016

Lao-Xao-Trio

Heute stand das Lao-Xao-Trio auf der Bühne der Freien Klänge. Diesmal in der Kulturwerkstatt, die direkt neben dem neu eröffneten "Stübchen" liegt – der kleinen Bar der Festung Mark, in der man auch außerhalb der Veranstaltungen gemütlich sitzen kann.
Khanh Nguyen – Gesang, Perkussion
Stefan Wehrenpfennig – Gitarre
Diethard Krause – Violoncello

Das Trio mischt europäisch geprägte Klänge mit asiatischen auf eine interessante Weise. Dabei spielt eine Frage danach, ob nun das Heimische im Fremden oder das Fremde im Heimischen die Musik bestimmt, bei den drei Musikern keine Rolle. Eher ist es die Selbstverständlichkeit des Umgangs unterschiedlicher Traditionen, die an der Musik – an ihrer eigenen Weltmusik – fasziniert. Daß die Musik des Trios vom Kontakt der Kulturen lebt, nicht von ihrer Abgrenzung, hört man schon beim ersten Stück. Beginnt das Konzert noch mit vertrauten Klängen aus Stefan Wehrpfennigs Gitarre, so stimmt schon Diethard Krause am Cello Töne an, die den Gesang von Khanh Nguyen vorwegnehmen. Als sie ihr erstes Lied anstimmt, das vom Vogel Sao, einem Papagei, der alles nachplappert, entspinnt sich ein reizvolles Hin und Her zwischen europäischer und asiatischer Musik.

Sonntag, 9. Oktober 2016

Adria

Heute stand die italienische Folk-Band Adria auf der Bühne der Freien Klänge.
Rachele Andrioli (voc)
Claudio Prima (acc, voc)
Emanuele Coluccia (sax)
Francesco Pellizzari (dr, elect)

Am Beginn des Konzertes, in dem die vier Musiker ihre neue CD Ogni goccia vorstellten, standen zwei Instrumentals. Mit anfangs nur sehr leisen Rhythmen, die Francesco Pellizzari auf Klanghölzern in seine Elektronik einspielt und als loop weiterlaufen ließ, während er nach und nach weitere Klänge hinzumischte, Beckenklänge oder eine wie ein Didgeridoo klingende Rahmentrommel. Dazu spielt Claudio Prima auf seinem Akkordeon eine melancholische Melodie, von Emanuele Coluccia am Saxophon begleitet. Bald darauf wechelt die Musik ins tänzerische, wird kräftiger. Eine Musik, die ich mir, schließt man die Augen, auch gut als Begleitung eines Films vorstellen könnte: vielleicht ein Kameraschwenk über sommerlich warme Landschaften, hin zu einem Mann, der zu einem Dorf wandert, voller Freude über die bevorstehende Ankunft...

Claudio Prima wies auf den noch leeren vierten Stuhl hin: "wir lassen in Italien einen Stuhl frei für jemanden, der noch kommen könnte. Vielleicht ist es ja jemand, der Dein Leben ändert?" Damit betrat Rachele Andrioli, Sängerin der Band, die Bühne und begann mit einer ausdrucksstarken Stimme zu singen, voller Gefühl, mit Kraft und Dynamik in der Stimme. So wie gleich in ihrem ersten Lied, Ho chiesta alla luna ("ich bat den Mond, mir Glück zu bringen...", heißt es im Text), über die Entscheidung für oder gegen die große Liebe. Mit ihrer Interpretation schaffte sie es, daß der Inhalt der Lieder vom Publikum gefühlt verstanden wurde, auch ohne italienisch zu verstehen (im CD-Booklet sind die Texte auch ins englische übersetzt).

Sonntag, 12. Juni 2016

Christiane-Hagdedorn-Trio

Heute stand Christiane Hagedorn mit ihrem Trio und  ihrem Programm Blue Ciel auf der Bühne der Freien Klänge in der Festung Mark:
Christiane Hagedorn – Gesang
Christian Hammer – Gitarre
Martin Scholz – Piano, Kornett, Percussion

Die Sängerin hat ihre familiären Wurzeln in Magdeburg, vielleicht wird sie deshalb vom Publikum besonders freundlich begrüßt. Kam sie zuletzt mit einer großen Band nach Magdeburg, so ist es diesmal eine kleine Besetzung. Auf dem Programm ihres Trios stehen neben eigenen Titeln überwiegend Bearbeitungen von Liedern aus der Zeit zwischen den 30er bis 60er Jahren des vergangenen Jahrhunderts. "Songs, die schon alt waren, als ich ein Kind war, die aber immer noch diese ganz eigentümliche Ausstrahlung haben", erklärt sie ihre Musikauswahl. "Das sind Lieder voller Sehnsüchte. Auch aus nicht ganz so rosigen Zeiten, die bis heute überdauert haben", fügt sie in der Konzertpause hinzu.

Am Anfang des Konzertes steht aber ein eigenes Lied, das wie genau auf den Abend geschrieben scheint. Draußen rauscht der Regen, es regnet förmlich Bindfäden, und Christiane Hagedorn singt "beyond the rain the sky is blue". Ihre samtig weiche Stimme wird dabei zurückhaltend von Christian Hammer an der Gitarre und Martin Scholz am Klavier begleitet. Ja, dieses Lied bringt die Wärme des Sommers mit und passt perfekt zu einem Tag, an dem es seit Wochen mal wieder regnet.

Sonntag, 13. März 2016

Dikanda

Heute stand die polnische Folk-Band Dikanda aus Szczecin auf der Bühne der Freien Klänge in der Festung Mark.
Anna Witczak-Czerniawska – Gesang, Akkordeon
Katarzyna Bogusz – Gesang
Daniel Kaczmarczyk – Schlagzeug
Piotr Rejdak – Gitarren
Grzegorz Kolbrecki – Kontrabass
Szymon Bobrowski – Trompete

Dunkle Töne von Akkordeon und Trompete erfüllen den Raum, Rauschen eines Regenmachers kommt hinzu. So leise bleibt es nicht lange; schon bald füllt ein Rhythmus wuchtiger Trommeln und Pauken den Raum. Wow, das ist Musik die mitreißt – schon hält es die ersten nicht mehr auf ihren Plätzen, sie stehen auf und fangen an zu tanzen. 

Es folgen polnische Folksongs, von Anna Witczak-Czerniawska und Katarzyna Bogusz zweistimmig und kraftvoll gesungen und von den übrigen Musikern der Band begleitet. Die Sprachbarriere – die meisten Texte werden auf polnisch gesungen – spielte keine Rolle. Zu vielen der Titel gibt Anna Witczak-Czerniawska in ihrer Anmoderationen ein kurze Zusammenfassung. Wenn es da in einem Lied heißt "Ich kann nicht nähen, aber ich habe Feuer im Herzen" und Anna noch hinzufügt "... und ich werde die Stimmung nach Magdeburg bringen", dann war das nicht nur so dahin gesagt – der Drive der Musik übertrug sich auf das Publikum, im Saal herrschte ausgelassene Stimmung .

Sonntag, 13. Dezember 2015

Unni Løvlid

Am dritten Advent gab es bei den Freien Klängen ein Vokalkonzert mit einer Gesangs-Solistin:
Unni Løvlid – voc

Unni Løvlid hatte für das Programm hauptsächlich traditionelle Lieder ihrer norwegischen Heimat zusammengestellt, die sie nur mit der Kraft ihrer Stimme vortrug. Melancholische Liebeslieder wie das "called the wind", in dem sie eine alte Geschichte von gebrochenem Herzen und tiefer Trauer verarbeitet oder fröhliche Hochzeitstänze, wie sie normalerweise auf der Hardangerfiedel gespielt werden und die Unni Løvlid allein durch gesungene Silben interpretiert, unterstützt durch den Takt ihrer rhythmisch stampfenden Füße. Musik, die sie in kleinen Dörfern findet, "in Gegenden, in denen kaum ein Fremder auf der Durchreise anhält", wie sie dazu sagte. 

Der ungewöhnliche Konzertabend – die Sängerin stand ohne jede instrumentale Begleitung auf der Bühne – lebte von Unni Løvlids zarter und doch eindringlicher Stimme. Als sie die Bühne betrat und leise zu singen anfing, war sofort Ruhe im Saal. Løvlids Musik erfordert konzentriertes Hören und das Magdeburger Publikum ließ sich darauf ein, kaum ein Fremdgeräusch unterbrach die Stille in den Zwischenräumen der Musik. Nach dem Konzert erkärte Unni Løvlid, daß ihre Musik auch von der Aufmerksamkeit des Publikums beeinflußt wird, von der Intensität des Hörens, wie sie es bezeichnete und die sie auf der Bühne spürte. Durch diese ungeteilte Aufmerksamkeit der Hörer war das Konzert voll dieser magisch anmutenden Momente, bei denen sich die Konzertgäste ganz in die Musik versenken konnten, sich von den hypnotischen Tönen beinahe in Trance versetzen ließen. Der größte Teil der Lieder hatte norwegische Texte. Das jedoch spielte für die Wirkung der Musik keine Rolle, das Verständnis der Musik erfolgte über die Gefühlsebene. 

Sonntag, 13. September 2015

Azul

Am Sonntag, dem 13. September stand die brasilianisch-holländische Band Azul auf der Bühne der Freien Klänge in der Festung Mark.
Ana Beck – Gesang
Angelo Verploegen – Flügelhorn, Trompete
Jorien Muste – Violine
Ed Baatsen – Klavier
Henk de Ligt – Bass
Michael de Miranda – Percussion

Brasilianische Klänge, mal melancholisch, mal temperamentvoll interpretiert – da konnte man die Augen schließen und sich aus dem kalten Norden in die Wärme Brasiliens versetzen lassen: irgendwo unter heißer Sonne in einer Strandbar sitzend den Klängen lauschend. Die Brasilianerin Ana Beck sang mit warmer und gefühlvoller Stimme Lieder des brasilianischen Singer/Songwriters Milton Nascimento. Ihre Band setzte die Stimmung der Musik in Zusammenhang zu europäischen Jazz-Traditionen. So entstand eine interessante Mischung unterschiedlicher Stile, die sich nicht einfach in feste Kategorien einordnen lassen.

Für Sängerin Ana Beck ist Nascimento vor allem als Inspirationsquelle bedeutsam. Statt der Festlegung auf Stile wie Samba oder Bossa Nova ist ihr wichtig, eine große Bandbreite in die Musik einzubringen. Dazu trägt auch der Bassist der Band, Henk de Ligt, bei. Er hat speziell für dieses Projekt Nascimentos Musik neu arrangiert. So entsteht eine anspruchsvolle Musik, die vom ihr innewohnenden Schwung her typisch brasilianisch ist und sich zugleich weit von einfacher Folklore abhebt.


Sonntag, 12. Juli 2015

Hotel Bossa Nova

Heute war Hotel Bossa Nova zu Gast bei den Freien Klängen.
Liza da Costa – Gesang
Thomas Lange – Gitarre
Alexander Sonntag – Bass
Wolfgang Stamm – Percussion

Die deutsch-brasilianische Sängerin Liza da Costa läßt sich bei ihren Bossa-Nova-Interpretationen von einem Jazz-Trio begleiten. Aus dieser reizvollen Kombination entsteht eine sehr lebendige Musik, die den brasilianischen Melodien eine europäische Note gibt. Die Sängerin nennt einen der Titel dann auch gleich "Bossanomia" und setzt darin ihre "Lehre vom Bossa" in Musik um. Dies mit einer spürbaren Begeisterung für die Musik, die sich auch in ihrer Anmoderation der auf portugiesisch gesungenen Lieder ausdrückte. Für die des portugiesischen nicht mächtigen Zuhörer erklärt da Costa ihre Texte in einer sehr charmanten Weise, die das Magdeburger Publikum sofort für sich einnimmt. So beispielsweise den Text einer melancholischen Ballade über das nicht ganz dazu gehören, zu einer Kultur, einem Leben, einer Umgebung – einem Gefühl, daß wohl jeder in der einen oder anderen Form schon mal erlebt hat. Die Melancholie ist in den Texten oft mit dabei, ob es um das Weggehen und Wiederkommen geht, um Liebe und Verlassen sein, Glück und Unglück oder um den heimlichen Neid auf andere Frauen. Dennoch ist die Musik der Band fröhlich und mitreißend; es macht Spaß zuzuhören.

Ihren Musikern, mit denen sie schon seit zehn Jahren gemeinsam auf der Bühne steht,  läßt Liza de Costa Platz für eigene Solopassagen, bringt sich darin aber auch mit ihrer Stimme ein. Etwa bei einem musikalischen Wettstreit mit ihrem Schlagzeuger, woraus dann so etwas wie beat boxing entsteht. Klasse!

War der erste Set sehr jazzig, so begann die Band nach der Pause zunächst  mit eher traditionellen Klängen. Aus der Schwüle des warmen Regentages heraus versetzte die Musik die Konzertbesucher in beste sommerliche Stimmung. Man mochte einfach die Augen schließen und den wiegenden Klängen nach draußen in den Sommer folgen.

Die Musik der Band beschreibt Liza da Costa als "Fusion Bossa Nova" und sieht darin eine Auseinandersetzung mit ihrer musikalischen Herkunft. Musik und Text stammen aus ihrer Feder, allerdings bestimmen anschließend die Musiker ihrer Band mit, was musikalisch geht und was eher nicht. Und auch über den Atlantik hinweg gibt es Verbindungen zu Musikern in Brasilien, mit denen sie sich über die Musik austauscht.


Sonntag, 10. Mai 2015

Belonoga

Heute war die bulgarische Band Belonoga zu Gast bei den Freien Klängen in der Festung Mark.
Gergana Dimitrova – Gesang, Electronics
Aleks Nushev – Gitarre, Bassgitarre, Electronics
Kostadin Genchev – Kaval, Duduk, Ocarina, Dvoyanka
Violeta Petkova – Gadulka
Vangelis Karipis – Percussion
Peter Todorov – Gesang, Percussion

In der Anmoderation sprach Warnfried Altmann davon, dass man nun, ab dem dritten Konzert, auch wirklich von einer Konzertreihe sprechen könne. Und machte auch schon auf die kommenden Konzerte neugierig. Die musikalische Ausrichtung der Freien Klänge in Richtung Weltmusik und damit verwandtes setzte sich auch mit Belonoga aus Bulgarien fort.

Belonoga ist ein Projekt der Sängerin Gergana Dimitrova, die bisher in Chorprojekten  wie „Mystere De Voix Bulgares“ und „Eva Quartet“ sang. Die Herkunft ihrer Band aus der bulgarischen Volksmusik mit den hohen Frauenstimmen hört man auch noch heraus. Jedoch kleidet Belonoga die traditionelle Musik in ein neues Gewand, kombiniert alte Instrument wie die geigenähnliche Gadulka und die Kaval-Flöte mit E-Gitarre und Percussion. Und sampelt ihre Stimme, um sie in Loops zu choralen Sätzen neu zu kombinieren. Da trifft Tradition auf Moderne – und musikalisch auch Orient auf Okzident. Bewusst kombinieren die Musiker völlig unterschiedliche Welten. "Wir lassen uns von Naturklängen ebenso inspirieren wie von Musik fremder Völker oder von Musikern, die wir auf anderen Konzerten hören", sagten die Musiker über ihre Musik. Da kann durchaus Musik der Aboriginees auf ein Gypsy-Lied folgen.

Viele der im Konzert gespielten Stücke waren von der Stimme Gergana Dimitrovas bestimmt. Der Gesang füllte in sich wiederholenden Mustern die Räume der Festung Mark, verbreitete eine teilweise beinahe hypnotische Stimmung. Von geheimnisvollen Percussion-Tönen unterstützt kam eine gewaltige Klangwolke von der Bühne herab. Dann wieder wechselte die Musik zu rockigen Klängen. Das Publikum war von der Mischung musikalischer Welten begeistert und ließ die Band nicht ohne Zugabe gehen.

Wer noch nicht genug davon hatte, für den gab es auch die CD der Band zu kaufen. In einer prächtigen Aufmachung und für eine CD ungewohnt schwer: in das Booklet integriert ist eine Keramik-Platte (wovon jede ein Unikat ist).

Die Konzertpause nutzte Warnfried Altmann, um auf ein Problem der Festung Mark hinzuweisen und zur Solidarität mit dem Veranstaltungsort aufzurufen: Ohne ersichtlichen Grund behindert das Ordnungsamt der Stadt Magdeburg die Veranstaltungen der Festung Mark durch unnötige Auflagen. Das Magdeburger Kulturzentrum ist gerade auf einem guten Weg hin zu einer selbst tragfähigen Mischung unterschiedlichster Veranstaltungen (und jeder, der selbst in der Kultur tätig ist, weiß wie schwer das ist), da schießt die Stadtverwaltung quer. Unverständlich angesichts dessen, daß die Festung Mark inzwischen zur Vermeidung von Konflikten rundum schallisolierende Fenster eingebaut und einen abseits der Wohnbebauung gelegenen Raucherbereich eingerichtet hat – und wie zu hören war, auch keine Konflikte zwischen der Festung und den Anwohnern bestehen.