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Sonntag, 1. Dezember 2019

Hotel Bossa Nova

Hotel Bossa Nova brachte mit Bossa- und Samba-Klängen Wärme in das hinter den dicken Mauern der Magdeburger Festung liegende „Stübchen“.
Liza da Costa – Gesang
Tilmann Höhn – Gitarre
Alexander Sonntag – Bass
Wolfgang Stamm – Schlagzeug

Bereits während Liza da Costa das Publikum begrüßt, wird sie von Tilmann Höhn mit groovigen Gitarrenriffs begleitet. Schon in den ersten Liedern begeistert die Sängerin mit warmen Klängen, mit Liedern, in denen sie Geschichten erzählt. Etwa Strada amarela, der gelbe Weg, der durch das Land führt,  oder ein Lied dessen Titel sie mit „ich gehöre nicht dazu“ übersetzte und das sie ihren Eltern widmete, die als Fremde nach Deutschland kamen. Ein sehr gefühlvolles und zärtliches Lied.

Sonntag, 11. November 2018

Fabiana Striffler und Quique Sinesi

Improvisierte Melodien der Violine treffen auf argentinische Gitarrenklänge. Das Konzert bei den Freien Klängen in der Festung Mark war Weltmusik, wenn man damit die Verschmelzung unterschiedlicher Musikkulturen meint, und bewegte sich doch abseits der üblichen Weltmusik-Konventionen.
Quique Sinesi – 6- and 7-saitige Gitarre, charango, Piccologitarre
Fabiana Striffler – Violine, Mandoline

Zu Beginn hört man nur die Finger der Violinistin und des Gitarristen auf den Instrumenten einen Rhytmus klopfen, ehe sie anfangen, Melodien zu spielen. Melodien, in denen immer mal wieder der argentinische Tango durchklingt, als einer der Ankerpunkte des Konzertes. Rhythmisch bleibt die Musik auch dann, wenn Fabiana Striffler im Titelstück der aktuellen CD des Duos, Mahagoni, die Spielweise ihrer Violine wechselt, die Saiten zupft, sich damit in klangliche Ähnlichkeit zur Gitarre begibt. Tänzerisch-beschwingte Passagen wechseln mit leisen, sanften.

Später greifen sie zu anderen Instrumenten, Fabiana Striffler nimmt ihre Mandoline zur Hand, Quique Sinesi sein Charango, eine Mischung aus Gitarre oder Ukulele (von der Bauform her) und der Mandoline (wegen der Doppelsaiten). „Unsere beiden Instrumente in Kombination finde ich so schön“, sagt Fabiana Striffler, und man könnte „traumhaft schön“ ergänzen, wenn man die gezupften Klänge hört. Vielleicht kein Zufall, dass das Stück dann in deutscher Übersetzung aus einem anderen Traum erwacht heißt.

Sonntag, 12. August 2018

Max Clouth Clan feat. Varijashree Venugopal

Heute stellte der Max-Clouth-Clan auf der Bühne der Freien Klänge in der Festung Mark sein neues Album "Kamaloka" vor. Mit dabei: die indische Sängerin Varijashree Venugopal. 
Max Clouth – Gitarre
Andrey Shabashev – Keys
Markus Wach – Bass
Martin Standke – Schlagzeug
Varijashree Venugopal – Gesang

Max Clouth setzt sich lässig auf den Hocker und beginnt seine doppelhalsige Gitarre zu stimmen. Bereits da hört man indische Klänge in ihren von europäischen  Gewohnheiten abweichenden Tonleitern und den viele Zwischentönen. Genau dafür hat seine Gitarre auf einem der beiden Hälse keine Bunde. Unmerklich geht das Stimmen des Instrumentes in das Konzert über, die Musik klingt ruhig, akustisch. Nur vom Keyboard kommen elektronische Effekte, verzerrte Töne, an Fusion-Musik angelehnt und die Musik ins Jazzige hinein führend. Max Clouth begleitet in „Kusadasi Kelim“ die sich wiederholenden musikalischen Muster seiner Band mit virtuosen, mal spanisch angehauchten, mal indisch inspirierten Klängen. Dabei sollte es aber nicht bleiben. Max Clouth, der sich nach seinem Musikstudium lange Zeit in Indien aufhielt, um sich dort intensiv mit der indischen Musik zu beschäftigen, will sich nicht in die vielen Musiker einreihen, die nur exotische indische Klänge als „Weltmusik“ spielen: „Ich will etwas neues schaffen, etwas, was es noch nicht so gibt“, sagt der Musiker im Gespräch, „ich finde es interessanter, wenn ich mich mehr an Rock und Pop orientiere“. Und so sind die folgenden Titel aus seiner aktuellen, im April 2018 erschienenen CD Kamaloka, wie „Hamsa – Soham“ nochmals kräftiger und rhythmusbetonter. Nicht aber ohne die melodiösen Wurzeln der indischen Musik ganz zu verlassen. Bei anderen Stücken ist dann auch mal Markus Wach am Baß für die indischen Zwischentöne zuständig, erzeugt mystische Stimmungen, über die Max Clouth seine Melodien legt.

Interessant sind die Bilder, die entstehen, wenn Max Clouth die Bezeichnungen der Musikstücke übersetzt. So heißt eines Shyam, indisch für Abend, und er möchte die nächtliche Atmosphäre indischer Großstädte beschreiben. Wenn man hört, wie sich in einen ruhigen melodischen Beginn urplötzlich und beinahe explosionsartig das Schlagzeug (Martin Standke) einbricht, dann hat, wer schon einmal in diesen Weltgegenden war, die Mischung aus wenigen ruhigen Gassen und lauten quirligen Straßen voller Menschen und Verkehr vor Augen.

Kurz vor Ende des ersten Set holt Max Clouth die indische Sängerin Varijashree Venugopa auf die Bühne. Die durchaus europäisch geprägten, ruhigen Melodien begleitet sie mit einer zarten und zugleich ausdrucksstarken Stimme. Ursprünglich in klassischer indischer Musik ausgebildet, lässt sie sich inzwischen vom europäischen Jazzgesang beeinflussen. „Mir ist der Austausch zwischen den Kulturen wichtig“, sagt die Sängerin dazu.

Sonntag, 11. März 2018

Atesh Tayfa

Heute war mit "Atesh Tayfa" ein bulgarisches Ensemble auf der Bühne der Freien Klänge zu erleben.
Ateshghan Yuseinov – Guitars
Dimitar Gorchakov – Piano, Keyb.
Skiller – Beatboxing
Venera Todorova – Vocal

Die Freien Klänge sind immer für eine Überraschung gut. Diesmal besteht sie im aus dem Hip-Hop stammenden Beatboxing. Und so tritt dann eben auch einer der Musiker mit typischer Hip-Hop-Kappe auf dem Kopf auf: Skiller, den Warnfried Altmann als Gewinner einer Beatboxing-Championship vorstellt und  über den er sagt "ich habe gestern (da spielten die Musiker in Altmanns Heimatdorf Wangelin) zum ersten Mal erlebt, daß man Schlagzeugklänge mit dem Mund erzeugen kann".

Die Musik beginnt mit ein paar klassischen Klavierakkorden, denen sich bald die E-Gitarre überlagert, auf der Ateshghan Yuseinov orientalisch anmutende Klänge erzeugt. Doch schon bald verschwimmen die musikalischen Grenzen, hört man auch spanische Gitarre heraus. In die Instrumente hinein mischt sich Skiller, der auf nichts anderem als einem Mikrophon, kräftigem Verstärker und Baßboxen Schlagzeugklänge hinzufügt. Und bei diesem mit dem Mund erzeugten Schlagzeug ist von der Bass Drum, über die Snare Drum bis zum Hi-Hat alles enthalten. Und man sieht auch die Hip-Hop-typischen Bewegungen der Hände, die die Musik unterstreichen und wohl unweigerlich dazugehören.

Bei anderen Stücken, als dann Venera Todorova hinzukommt, dominieren eher die leiseren Töne, wird die Stimme der Sängerin nur leise von der Gitarre begleitet. Aber auch Skiller "kann leise", paßt sich mit seinem Mund-Schlagzeug an Gesang und Gitarre an. Auch Percussion-Klänge, bis hin zum leisen Säuseln des Windes oder Vogelgezwitscher werden von ihm imitiert.

Im Piano-Solo von Dimitar Gorchakov läßt sein Spiel das Gefühl von Bar-Atmosphäre entstehen. Als dann die anderen Musiker einstimmen, klingt die Musik nach irgend etwas zwischen Balkan-Folk und leichtem Jazz. Mitunter fühlte man sich auch an die Musik der Jazz-Gitarrenvirtuosen der 70er Jahre wie John Maclaughlin erinnert, wenn Ateshghan Yuseinov von Skiller am Schlagzeug begleitet wird.

Die Musiker nehmen das Publikum mit auf eine Reise, die irgendwo am Schwarzen Meer beginnt, durch den Bosporus an der Türkei vorbei führt und dann rund ums Mittelmehr geht. Nach den Wurzeln ihrer Musik gefragt, sagen Sie "das ist natürlich sehr viel bulgarische Volksmusik, aber auch Einflüsse aus Rumänien oder Mazedonien". Die bulgarische Liedtexte muß das Publikum über das musikalische Gefühl aufnehmen (sofern es nicht der bulgarischen Sprache kundig ist). Da meint man lustige Tanzmusik ebenso heraus zu hören wie melancholische Liebeslieder. Und es ist viel Improvisation dabei, wenn sich die vier gegenseitig Melodien zuspielen oder -singen, und ausdrucksstarker Jazz-Gesang von Venera Todorova.

Sonntag, 14. Januar 2018

Boi Akih

Heute spielte das Duo Boi Akih bei den Freien Klängen.
Monica Akihary – voice
Niels Brouwer – guitar

Monika Akihary beginnt leise zu singen, fast nur ein Sprechgesang, einzelne Silben, die sich über die Gitarrenakkorde von Niels Brouwer legen. Schon bald hat man sich eingehört und wenige Worte der poetischen englischen Texte genügen, um Assoziationen entstehen zu lassen. „Wenn es Abend wird und dunkle Schatten die Berge entlang aufsteigen“, heißt es da etwa, vom mystischen Klang der Bäume ist die Rede, von den funkelnden Augen eines Mädchens, und so meint der Zuhörer es auch in Monika Akiharys Gesang wiederzufinden, in ihrer zugleich sanften wie ausdrucksstarken Stimme, in der sie Melodien und Lieder ihrer indonesischen Heimat mit europäischem Jazz-Gesang vermischt. „Ich lasse mich von der Atmosphäre der Städte und den Landschaften inspirieren, in die ich gereist bin“, sagt sie später, im Gespräch nach  dem Konzert. Und so finden sich in der Musik des niederländischen Duos Einflüsse aus Indonesien und Akiharys Heimatinsel Harukku ebenso wie Musik aus Afrika, Mexiko, Brasilen oder China. 

Sonntag, 8. Oktober 2017

East Drive

Heute stand Bodek Jahnke mit seinem Trio-Projekt East Drive auf der Bühne der Freien Klänge in der Festung Mark.
Bodek Janke –Drums, Percussion
Vitaliy Zolotov – Gitarre
Philipp Bardenberg – E-Bass

Vitaliy Zolotov beginnt das Konzert mit klaren Akkorden auf seiner Gitarre, zu denen Bodek Janke auf kleinen Flöten Vogelstimmen erklingen läßt oder percussive Geräusche macht, die sich wie ein Störfaktor über die Gitarrenklänge legen. Ein Effekt, der vielleicht gewollt ist, zwingt er doch zum genauen Hinhören. Schließlich kommt noch Philipp Bardenberg mit seinem Baß dazu, erzeugt tiefe Borduntöne, die das doch recht große Volumen der Kulturwerkstatt in der Festung Mark in Resonanz versetzen. Als Bodek Janke anschließend das Publikum mit den Worten begrüßt, daß es "heute eine Musik erleben könne, wie sie hier noch nicht zu hören war", dann mag man ihm das glauben (und weiß doch, wieviel andere und gleichfalls ungewohnte Weltmusikklänge in dieser Konzertreihe bereits zu hören waren).

Das Konzert war inhaltlich durchaus von der osteuropäischen Herkunft bestimmt, ohne daß die Musik dem dafür geltenden Klischee entsprach. So lagen gleich dem zweiten Stück Kinderlieder aus der Ukraine, Serbien, Polen und Deutschland zugrunde, denen Bodek Janke an seinen Tablas sitzend einen ganz ungewohnten Klang gab. Zwischen den beiden gegensätzlichen Seiten, hier leisen und gefühlvollen Klängen, dort kräftigen E-Gitarren- und E-Baß-Tönen in ausgesprochen rockigem, an Progressiv Rock der 70er erinnernden Stil mit Anklängen an Fusion Music, bewegte sich East Drive. Dabei nutzen Baß und Gitarre auch die Möglichkeiten ihrer elektronischen Verstärker aus.

Sonntag, 12. Februar 2017

Pablo-Miro-Trio

Heute stand das Pablo-Miro-Trio bei den Freien Klängen auf der Bühne der Kulturwerkstatt in der Festung Mark.
Pablo Miró – Gitarre, Gesang
Carly Quiroz – Klavier
Michael Kersting – Schlagzeug

Pablo Miró beginnt sein Konzert mit drei Solostücken. Tief in die Musik versunken steht Miró auf der Bühne, läßt in "La Sicilia" aus seiner Gitarre erst zarte Töne perlen, die später immer kräftigeren Akkorden Platz machen. Assoziiert man mit Argentinien zuallererst den Tango, so stellt Miró Bezüge zu den europäischen Traditionen her. Seine Musik ist nicht so schwermütig, kommt schwungvoll daher. In seinem zweiten Stück, einer "Hommage an die Pampa" ist sie dann aber da, die Melancholie des argentinischen Tango. Der Sonne gewidmet ist "El hommage del sol". "Wenn die Sonne aufgeht in Argentinien, dann wechselt man auf die Schattenseite, so stark scheint sie" gibt Pablo Miro den Inhalt des Liedes wieder. Fingerpicking-Spiel der besten Art.

Im Anschluß kommen Carly Quiroz und Michael Kersting auf die Bühne. Beide sind gekonnte Begleiter des Gitarristen, der deutlich im Mittelpunkt des Konzertes bleibt. Die meisten seiner Gesangsstücke singt Miró auf spanisch. Deshalb stellt er den Liedern deutsche Zusammenfassungen voran – die schon für sich allein betrachtet hörenswerte Texte voller Poesie sind und von der Magie des Alltags inspiriert sind. So heißt dann auch eine der CDs des Trios: Magico.

Sonntag, 13. November 2016

Lao-Xao-Trio

Heute stand das Lao-Xao-Trio auf der Bühne der Freien Klänge. Diesmal in der Kulturwerkstatt, die direkt neben dem neu eröffneten "Stübchen" liegt – der kleinen Bar der Festung Mark, in der man auch außerhalb der Veranstaltungen gemütlich sitzen kann.
Khanh Nguyen – Gesang, Perkussion
Stefan Wehrenpfennig – Gitarre
Diethard Krause – Violoncello

Das Trio mischt europäisch geprägte Klänge mit asiatischen auf eine interessante Weise. Dabei spielt eine Frage danach, ob nun das Heimische im Fremden oder das Fremde im Heimischen die Musik bestimmt, bei den drei Musikern keine Rolle. Eher ist es die Selbstverständlichkeit des Umgangs unterschiedlicher Traditionen, die an der Musik – an ihrer eigenen Weltmusik – fasziniert. Daß die Musik des Trios vom Kontakt der Kulturen lebt, nicht von ihrer Abgrenzung, hört man schon beim ersten Stück. Beginnt das Konzert noch mit vertrauten Klängen aus Stefan Wehrpfennigs Gitarre, so stimmt schon Diethard Krause am Cello Töne an, die den Gesang von Khanh Nguyen vorwegnehmen. Als sie ihr erstes Lied anstimmt, das vom Vogel Sao, einem Papagei, der alles nachplappert, entspinnt sich ein reizvolles Hin und Her zwischen europäischer und asiatischer Musik.

Sonntag, 12. Juni 2016

Christiane-Hagdedorn-Trio

Heute stand Christiane Hagedorn mit ihrem Trio und  ihrem Programm Blue Ciel auf der Bühne der Freien Klänge in der Festung Mark:
Christiane Hagedorn – Gesang
Christian Hammer – Gitarre
Martin Scholz – Piano, Kornett, Percussion

Die Sängerin hat ihre familiären Wurzeln in Magdeburg, vielleicht wird sie deshalb vom Publikum besonders freundlich begrüßt. Kam sie zuletzt mit einer großen Band nach Magdeburg, so ist es diesmal eine kleine Besetzung. Auf dem Programm ihres Trios stehen neben eigenen Titeln überwiegend Bearbeitungen von Liedern aus der Zeit zwischen den 30er bis 60er Jahren des vergangenen Jahrhunderts. "Songs, die schon alt waren, als ich ein Kind war, die aber immer noch diese ganz eigentümliche Ausstrahlung haben", erklärt sie ihre Musikauswahl. "Das sind Lieder voller Sehnsüchte. Auch aus nicht ganz so rosigen Zeiten, die bis heute überdauert haben", fügt sie in der Konzertpause hinzu.

Am Anfang des Konzertes steht aber ein eigenes Lied, das wie genau auf den Abend geschrieben scheint. Draußen rauscht der Regen, es regnet förmlich Bindfäden, und Christiane Hagedorn singt "beyond the rain the sky is blue". Ihre samtig weiche Stimme wird dabei zurückhaltend von Christian Hammer an der Gitarre und Martin Scholz am Klavier begleitet. Ja, dieses Lied bringt die Wärme des Sommers mit und passt perfekt zu einem Tag, an dem es seit Wochen mal wieder regnet.

Sonntag, 13. März 2016

Dikanda

Heute stand die polnische Folk-Band Dikanda aus Szczecin auf der Bühne der Freien Klänge in der Festung Mark.
Anna Witczak-Czerniawska – Gesang, Akkordeon
Katarzyna Bogusz – Gesang
Daniel Kaczmarczyk – Schlagzeug
Piotr Rejdak – Gitarren
Grzegorz Kolbrecki – Kontrabass
Szymon Bobrowski – Trompete

Dunkle Töne von Akkordeon und Trompete erfüllen den Raum, Rauschen eines Regenmachers kommt hinzu. So leise bleibt es nicht lange; schon bald füllt ein Rhythmus wuchtiger Trommeln und Pauken den Raum. Wow, das ist Musik die mitreißt – schon hält es die ersten nicht mehr auf ihren Plätzen, sie stehen auf und fangen an zu tanzen. 

Es folgen polnische Folksongs, von Anna Witczak-Czerniawska und Katarzyna Bogusz zweistimmig und kraftvoll gesungen und von den übrigen Musikern der Band begleitet. Die Sprachbarriere – die meisten Texte werden auf polnisch gesungen – spielte keine Rolle. Zu vielen der Titel gibt Anna Witczak-Czerniawska in ihrer Anmoderationen ein kurze Zusammenfassung. Wenn es da in einem Lied heißt "Ich kann nicht nähen, aber ich habe Feuer im Herzen" und Anna noch hinzufügt "... und ich werde die Stimmung nach Magdeburg bringen", dann war das nicht nur so dahin gesagt – der Drive der Musik übertrug sich auf das Publikum, im Saal herrschte ausgelassene Stimmung .

Sonntag, 10. Januar 2016

Max Clouth Clan

Heute war der Max Clouth Clan zu Gast bei den Freien Klängen in der Festung Mark:
Max Clouth – Indian Jazz Guitar, Lotus Guitar
Markus Wach – Bass
Martin Standke – Schlagzeug 

Max Clouth, der sich nach seinem Musikstudium lange Zeit in Indien aufgehalten hat und sich dort intensiv mit der indischen Musik beschäftigte, begann das Konzert auch mit indischen Klängen. Solo gespielt auf seiner doppelhalsigen Gitarre, einer Spezialanfertigung von Neumann Gitarrenbau Leipzig und mit zusätzlichen Resonanzsaiten ausgerüstet. Die ungewohnten, von europäischen Klangmustern und Tonskalen abweichenden Klänge zogen das Publikum in der Festung Mark gleich von Beginn an in ihren Bann. Später kam dann seine Band hinzu, mit Markus Wach am Bass und Martin Standke am Schlagzeug. Da wurde dann aus den indischen Klängen irgendetwas in Richtung Blues und Rock, eine Konvergenz völlig unterschiedlicher Musikstile, über Kontinente hinweg. Geschickt wechselte die Band zwischen den Stilen, landete immer wieder auch in Indien. Etwa im Stück "Yari Road", das Max Clouth nach einer Straße in Mumbai nannte, in der er längere Zeit wohnte. Auf dem Weg zurück nach Europa schlug die Musik mit dem "Letter from Gaza" einen Bogen nach Palästina. In der von Markus Wach gespielten Eingangsmelodie klang der Baß nach einer orientalischen Laute, die später von Gitarre und Schlagzeug sparsam unterstützt wurde.
Europäisch wurde es dann wieder, als sich Max Clouth von John McLaughlin, einem seiner musikalischen Vorbilder inspirieren ließ. An dieser Stelle hätte das Programm durchaus auch Sunday night in Magdeburg heißen können.

Sonntag, 11. Oktober 2015

Sadawi

Heute war Paul Brodys Sadawi zu Gast bei den Freien Klängen in der Festung Mark, in der Besetzung
Paul Brody – Trompete
Christian Kögel – Resonatorgitarre
Martin Lillich – Bass
Naomi Scherer – Rezitaition

Wenn Paul Brody seine Band in der Anmoderation kurz als Mischung irgendwo zwischen Klezmer und Jazz beschreibt, dann hat er damit sicher recht – und vereinfacht doch zugleich stark, denn tatsächlich war viel mehr auf der Bühne zu hören. Man merkt, daß er und seine Band in vielen Richtungen der Musik zu Hause sind. Gab es zu Beginn noch klassisch jüdische Stücke, so wechselte die Musik bald zu improvisierten Klängen, die mal auf dem Balkan verwurzelt schienen, bald nach modernen Jazz klangen. Dann auch wieder leise und zart, wenn Brody sich zurücknahm und Martin Lillich den Baß und Christian Kögel die Gitarre spielten. Die Gitarre übrigens ein seltenes Stück, eine metallenen Resonatorgitarre. Die hat zur akustischen Verstärkung der leisen Gitarrenklänge Membranen eingebaut, die ähnlich wie ein zusätzlicher Gitarrenboden durch die Töne angeregt werden und sie lauter klingen lassen.

Zu allem hatte Brody etwas zu erzählen, an zwei Mikrofonen eine Simultanübersetzung seiner eigenen Moderation improvisierend, ein Mikro für den englischen Text, das andere für sich als sein eigener Übersetzer; dabei vor lustigen Anekdoten nur so übersprudelnd. Die langen Moderationen, leise von seinen beiden Kollegen an Baß und Gitarre begleitet, hatten etwas von Poetry Slam, es machte einfach Spaß zuzuhören. Etwa wenn er eine Geschichte ähnlich der vom Josa mit der Zauberfidel erzählte, nur daß diese beim Spielen immer größer wurde und aus dem Josa – kein Wunder – Martin Lillich mit seinem Baß wurde. Oder die Geschichte  einer türkischen Frau, die ihm in einem Berliner Park eine tradionelle Melodie beibrachte. Die Bestätigung der Echtheit der Geschichte gab es dazu: der Gesang war auf Brodys Mobiltelefon gespeichert und wurde am Mikrofon abgespielt.

Nach der Pause las Naomi Scherer drei Texte von Joseph Roth, aus dessen Buch "Juden auf Wanderschaft". Die Lesung wurde durch die Musiker leise mit Musik unterlegt, was die eindringliche Wirkung der Texte noch verstärkte. Joseph Roths Buch aus dem Jahr 1927 beschreibt die ostjüdische Kultur und die Ankunft der jüdischen Auswanderer in Amerika. Vor dem Hintergrund der heutigen Flüchtlingsströme bekommen die fast hundert Jahre alten Geschichten von Einwanderern und Einwanderungsbehörden und von der nur hinter Maschendraht sichtbaren Freiheitsstatue eine ganz neue Aktualität.

Zum Ende des Abends wurde es musikalisch nochmal bunt und laut auf der Bühne. Fröhliche Balkanmusik, mit der Trompete im Mittelpunkt und einer Band, die dazu nochmal alle Register zog.


Sonntag, 12. Juli 2015

Hotel Bossa Nova

Heute war Hotel Bossa Nova zu Gast bei den Freien Klängen.
Liza da Costa – Gesang
Thomas Lange – Gitarre
Alexander Sonntag – Bass
Wolfgang Stamm – Percussion

Die deutsch-brasilianische Sängerin Liza da Costa läßt sich bei ihren Bossa-Nova-Interpretationen von einem Jazz-Trio begleiten. Aus dieser reizvollen Kombination entsteht eine sehr lebendige Musik, die den brasilianischen Melodien eine europäische Note gibt. Die Sängerin nennt einen der Titel dann auch gleich "Bossanomia" und setzt darin ihre "Lehre vom Bossa" in Musik um. Dies mit einer spürbaren Begeisterung für die Musik, die sich auch in ihrer Anmoderation der auf portugiesisch gesungenen Lieder ausdrückte. Für die des portugiesischen nicht mächtigen Zuhörer erklärt da Costa ihre Texte in einer sehr charmanten Weise, die das Magdeburger Publikum sofort für sich einnimmt. So beispielsweise den Text einer melancholischen Ballade über das nicht ganz dazu gehören, zu einer Kultur, einem Leben, einer Umgebung – einem Gefühl, daß wohl jeder in der einen oder anderen Form schon mal erlebt hat. Die Melancholie ist in den Texten oft mit dabei, ob es um das Weggehen und Wiederkommen geht, um Liebe und Verlassen sein, Glück und Unglück oder um den heimlichen Neid auf andere Frauen. Dennoch ist die Musik der Band fröhlich und mitreißend; es macht Spaß zuzuhören.

Ihren Musikern, mit denen sie schon seit zehn Jahren gemeinsam auf der Bühne steht,  läßt Liza de Costa Platz für eigene Solopassagen, bringt sich darin aber auch mit ihrer Stimme ein. Etwa bei einem musikalischen Wettstreit mit ihrem Schlagzeuger, woraus dann so etwas wie beat boxing entsteht. Klasse!

War der erste Set sehr jazzig, so begann die Band nach der Pause zunächst  mit eher traditionellen Klängen. Aus der Schwüle des warmen Regentages heraus versetzte die Musik die Konzertbesucher in beste sommerliche Stimmung. Man mochte einfach die Augen schließen und den wiegenden Klängen nach draußen in den Sommer folgen.

Die Musik der Band beschreibt Liza da Costa als "Fusion Bossa Nova" und sieht darin eine Auseinandersetzung mit ihrer musikalischen Herkunft. Musik und Text stammen aus ihrer Feder, allerdings bestimmen anschließend die Musiker ihrer Band mit, was musikalisch geht und was eher nicht. Und auch über den Atlantik hinweg gibt es Verbindungen zu Musikern in Brasilien, mit denen sie sich über die Musik austauscht.


Sonntag, 10. Mai 2015

Belonoga

Heute war die bulgarische Band Belonoga zu Gast bei den Freien Klängen in der Festung Mark.
Gergana Dimitrova – Gesang, Electronics
Aleks Nushev – Gitarre, Bassgitarre, Electronics
Kostadin Genchev – Kaval, Duduk, Ocarina, Dvoyanka
Violeta Petkova – Gadulka
Vangelis Karipis – Percussion
Peter Todorov – Gesang, Percussion

In der Anmoderation sprach Warnfried Altmann davon, dass man nun, ab dem dritten Konzert, auch wirklich von einer Konzertreihe sprechen könne. Und machte auch schon auf die kommenden Konzerte neugierig. Die musikalische Ausrichtung der Freien Klänge in Richtung Weltmusik und damit verwandtes setzte sich auch mit Belonoga aus Bulgarien fort.

Belonoga ist ein Projekt der Sängerin Gergana Dimitrova, die bisher in Chorprojekten  wie „Mystere De Voix Bulgares“ und „Eva Quartet“ sang. Die Herkunft ihrer Band aus der bulgarischen Volksmusik mit den hohen Frauenstimmen hört man auch noch heraus. Jedoch kleidet Belonoga die traditionelle Musik in ein neues Gewand, kombiniert alte Instrument wie die geigenähnliche Gadulka und die Kaval-Flöte mit E-Gitarre und Percussion. Und sampelt ihre Stimme, um sie in Loops zu choralen Sätzen neu zu kombinieren. Da trifft Tradition auf Moderne – und musikalisch auch Orient auf Okzident. Bewusst kombinieren die Musiker völlig unterschiedliche Welten. "Wir lassen uns von Naturklängen ebenso inspirieren wie von Musik fremder Völker oder von Musikern, die wir auf anderen Konzerten hören", sagten die Musiker über ihre Musik. Da kann durchaus Musik der Aboriginees auf ein Gypsy-Lied folgen.

Viele der im Konzert gespielten Stücke waren von der Stimme Gergana Dimitrovas bestimmt. Der Gesang füllte in sich wiederholenden Mustern die Räume der Festung Mark, verbreitete eine teilweise beinahe hypnotische Stimmung. Von geheimnisvollen Percussion-Tönen unterstützt kam eine gewaltige Klangwolke von der Bühne herab. Dann wieder wechselte die Musik zu rockigen Klängen. Das Publikum war von der Mischung musikalischer Welten begeistert und ließ die Band nicht ohne Zugabe gehen.

Wer noch nicht genug davon hatte, für den gab es auch die CD der Band zu kaufen. In einer prächtigen Aufmachung und für eine CD ungewohnt schwer: in das Booklet integriert ist eine Keramik-Platte (wovon jede ein Unikat ist).

Die Konzertpause nutzte Warnfried Altmann, um auf ein Problem der Festung Mark hinzuweisen und zur Solidarität mit dem Veranstaltungsort aufzurufen: Ohne ersichtlichen Grund behindert das Ordnungsamt der Stadt Magdeburg die Veranstaltungen der Festung Mark durch unnötige Auflagen. Das Magdeburger Kulturzentrum ist gerade auf einem guten Weg hin zu einer selbst tragfähigen Mischung unterschiedlichster Veranstaltungen (und jeder, der selbst in der Kultur tätig ist, weiß wie schwer das ist), da schießt die Stadtverwaltung quer. Unverständlich angesichts dessen, daß die Festung Mark inzwischen zur Vermeidung von Konflikten rundum schallisolierende Fenster eingebaut und einen abseits der Wohnbebauung gelegenen Raucherbereich eingerichtet hat – und wie zu hören war, auch keine Konflikte zwischen der Festung und den Anwohnern bestehen.


Sonntag, 12. April 2015

Blu-Bantu-Quartett

Heute war das Blu Bantu Quartett zu Gast bei den Freien Klängen in der Magdeburger Festung Mark.
Biboul Darouiche – vocals, percussion, bass, calimba, guitar,
Michael Hornek – vocals, keys, bass, percussion,
Christoph Holzhauser – Schlagzeug,
Miko Watanabe – percussion, atmospheres

Blu Bantu, das Quartett des aus Kamerun stammenden Musikers Biboul Darouiche, zeigt sich als Einheit musikalisch gleichgesinnter. Auch wenn Darouiche mit Melodien und Klängen aus seiner afrikanischen Heimat den Klang der Band vorgibt, so sind Michael Horneck, Christoph Holzhauser und Miko Watanabe nicht einfach nur Begleiter seiner Musik, sondern gleichberechtigte Partner.

Das Konzert von Blu Bantu beginnt mit dem Daumenklavier als Melodieinstrument, mit einem Lied, dessen Titel Darouiche mit "der Geist der Liebe" übersetzt. Wenn Darouiche durch das Programm führt, dann tut er das in einer sympatischen Mischung aller Sprachen, in denen er zu Hause ist. Ebenso hält er das mit seiner Musik, in der er gerne mal weg von der traditionellen Folklore in jazzige Melodien abschweift, manchmal sind auch Blues-Klänge herauszuhören. So ergibt sich ein interessanter Musik-Mix, dem zu lauschen einfach Freude macht. Weltmusik auf eine angenehm lässige Art, mit musikalischen Welten, die bei Blu Bantu einfach und ganz selbstverständlich in einander übergehen und verschmelzen. Da wird aus einem afrikanischen Lied, dessen Melodie Hornek am Keyboard aufnimmt, schonmal Musik im swingigen Stil der 50er Jahre oder gleich darauf Fusion Jazz.

Mitunter sind seine Lieder einfach und ruhig, so wie "Kiara", ein Schlaflied, daß er nach seiner Tochter benannte, manchmal klingt in den Anmoderationen auch an, daß die Texte der Lieder von den Problemen der Welt handeln, so wie das über eine Mutter, die in Jerusalem nicht zu ihren Kindern kommen kann. Durch die Erklärungen wird der Inhalt der Lieder auch dann verständlich, wenn Darouiche sie auf Ewondo, seiner kamerunischen Muttersprache singt. Und manchmal – auch ein Stück afrikanischer Tradition – wird schon mit der Beschreibung der Texte eine ganze Geschichte voller Weisheit erzählt: "Sei vorsichtig mit dem Auto deines Nachbarn, es ist nicht deins, du kennst es nicht, die Bremsen könnten versagen. Sei vorsichtig mit dem Gewehr deines Nachbarn, das du mit auf die Jagd nimmst. Es ist nicht deins, du kennst es nicht,es könnte klemmen. Sei vorsichtig mit dem Kind deines Nachbarn, ...". Darouiches Musik lebt von solchen Geschichten, von der Stimmung, die in der Musik mitschwingt, auch wenn man die Worte selbst nicht versteht.

Auch das Daumenklavier bekam seine eigene Geschichte, die Darouiche in dem Lied "Carramba" erzählt. Er bekam das Instrument von seinem Onkel, den alle nur "Carramba" nannten, weil er... Aber halt, die Geschichte will ich hier nicht auch noch wiedergeben – hört sie euch lieber selbst beim nächsten Blu-Bantu-Konzert an.

Besonders kräftig wurde die Musik des Quartetts, wenn neben  Miko Watanabe auch Biboul Darouiche und Michael Hornek zu den hölzernen Schlegeln griffen und jeder eine der afrikanischen Schlitztrommeln bearbeitete. Dazu noch Christoph Holzhauser an den Drums, fertig war ein kräftiges Schlagzeug-Quartett. Wenn man dazu noch weiß, daß jede der Tamtams, wie die aus Baumstämmen geschnitzten Schlitztrommeln auch genannt werden, eine eigene Stimmung hat, und im Ursprung jede Familie ihre eigenen Tamtams hatte, um damit Nachrichten auszutauschen, dann wurde aus dem Trommeltönen auch ein musikalisches Gespräch.

Das Konzert von Blu Bantu hätte wohl noch länger gehen können. Nach dem Abend blieb ein angenehmes Gefühl von Sommer zurück, wie von Musik in warmen Nächten im Freien.  

Im zweiten Konzert der Reihe wird ebenso wie in der Ankündigung des kommenden Konzerts – dann mit einem bulgarischen Chor – erkennbar, daß Warnfried Altmann auf dem besten Weg ist, mit den "Freien Klängen" in der Festung Mark eine Magdeburger Weltmusikreihe zu etablieren. Der Stadt kann diese neue Musikfarbe nur gut zu Gesicht stehen.

Drei Schlitztrommeln und ein Schlagzeug