Posts mit dem Label Jazz werden angezeigt. Alle Posts anzeigen
Posts mit dem Label Jazz werden angezeigt. Alle Posts anzeigen

Sonntag, 12. Juni 2016

Christiane-Hagdedorn-Trio

Heute stand Christiane Hagedorn mit ihrem Trio und  ihrem Programm Blue Ciel auf der Bühne der Freien Klänge in der Festung Mark:
Christiane Hagedorn – Gesang
Christian Hammer – Gitarre
Martin Scholz – Piano, Kornett, Percussion

Die Sängerin hat ihre familiären Wurzeln in Magdeburg, vielleicht wird sie deshalb vom Publikum besonders freundlich begrüßt. Kam sie zuletzt mit einer großen Band nach Magdeburg, so ist es diesmal eine kleine Besetzung. Auf dem Programm ihres Trios stehen neben eigenen Titeln überwiegend Bearbeitungen von Liedern aus der Zeit zwischen den 30er bis 60er Jahren des vergangenen Jahrhunderts. "Songs, die schon alt waren, als ich ein Kind war, die aber immer noch diese ganz eigentümliche Ausstrahlung haben", erklärt sie ihre Musikauswahl. "Das sind Lieder voller Sehnsüchte. Auch aus nicht ganz so rosigen Zeiten, die bis heute überdauert haben", fügt sie in der Konzertpause hinzu.

Am Anfang des Konzertes steht aber ein eigenes Lied, das wie genau auf den Abend geschrieben scheint. Draußen rauscht der Regen, es regnet förmlich Bindfäden, und Christiane Hagedorn singt "beyond the rain the sky is blue". Ihre samtig weiche Stimme wird dabei zurückhaltend von Christian Hammer an der Gitarre und Martin Scholz am Klavier begleitet. Ja, dieses Lied bringt die Wärme des Sommers mit und passt perfekt zu einem Tag, an dem es seit Wochen mal wieder regnet.

Sonntag, 8. November 2015

Nicole Jo

NICOLE JO – Colours
Nicole Johänntgen – Saxophon
Stefan Johänntgen – Keyboards
Philipp Rehm – Baß
Elmar Federkeil – Drums und Percussion


Das Quartett Nicole Jo benannte sich nach der Saxophonistin und Initiatorin Nicole Johänntgen, die auch für den überwiegenden Teil der Kompositionen verantwortlich ist und das Konzert mit deutlicher Bühnenpräsenz und Begeisterung leitete. Gemeinsam mit ihrem Bruder Stefan Johänntgen, dem Bassisten Philipp Rehm und dem Schlagzeuger und Percussionisten Elmar Federkeil brachte sie in weiten Teilen des Konzerts einen satten Sound auf die Bühne der Festung Mark – lebendiger, expressiver und kräftiger Jazz war zu hören.

Begann das Konzert noch mit eindringlichen, langsamen Tönen des Saxophons, verbunden mit Halleffekten von Keyboard und Bass, so wechselte die Musik bald hin zu einem rhythmischen, tanzbaren Clubsound, wie geschaffen für Musikklubs einer Großstadt. Diese Mischung hatte Nicole Johänntgen wohl auch im Sinn, wenn sie (wie sie in der Pause sagte) "es cool findet, wenn es immer wieder am Rand der Bühne Leute gibt, die sich zur Musik der Band bewegen". In Magdeburg gab es dagegen eher das aufmerksam lauschende als das tanzwillige Publikum, das dann aber auch voll auf seine Kosten kam. Beispielsweise durch den Raum, den Bandleaderin Nicole Johänntgen den anderen Musikern ließ. Etwa wenn Philipp Rehm am Baß spanische Flamenco-Rhythmen durchscheinen ließ, mal durch elektronische Effekte variiert und verfremdet, mal sehr nahe am Klang eines akustischen Instruments, und die Band dann in diese Klänge einstimmte. Oder wenn Stefan Johänntgen, der Ton-Ingenieur unter den vier Musikern, aus Keyboard und Synthesizer spacige Klänge hervorholte, die den Zuhörer in die Zeit der 1970er Jahre zurückversetzten. 

Elmar Federkeil an Drum und Percussion sorgt nicht nur für einen kräftigen Rhythmus von rockigen Trommelwirbeln bis hin zu afrikanischen Rhythmen, sondern stand auch mit einer Steel Pan (Blue Point Steel Harp) als metallisch-durchdringend klingendes Solo-Instrument in der Mitte der Bühne. 

Immer wieder aber bestimmte Nicole Johänntgen die Musik, vor allem wenn sie ihr Saxophon expressiv und mit vollem Einsatz spielte. Und das Saxophon damit auch die Rolle einer "Stimme der Band" übernahm. 

Den Abend fasste Nicole Johänntgen mit den Worten "take the moment as it is" ganz treffend zusammen. Für das Konzert in Magdeburg bedeutet das aus ihrer Sicht, daß "die Musik so richtig gut im Fluß", die Stimmung genau richtig und auch der Klang in den Festungsmauern überraschend gut war. Genau die richtige Atmosphäre für freie Interpretationen von Stücken der aktuellen CD "Colours", die Nicole Jo zur Zeit auf ihrer Tour vorstellt. Daneben gab es aber auch schon wieder neue Stücke zu hören. Wie das langsame "White and Green", das als Zugabe den Abend beendete. 


Warnfried Altmann, Organisator der Freien Klänge.
Hier bei der Gedichtlesung am Ende der Pause.

Sonntag, 11. Oktober 2015

Sadawi

Heute war Paul Brodys Sadawi zu Gast bei den Freien Klängen in der Festung Mark, in der Besetzung
Paul Brody – Trompete
Christian Kögel – Resonatorgitarre
Martin Lillich – Bass
Naomi Scherer – Rezitaition

Wenn Paul Brody seine Band in der Anmoderation kurz als Mischung irgendwo zwischen Klezmer und Jazz beschreibt, dann hat er damit sicher recht – und vereinfacht doch zugleich stark, denn tatsächlich war viel mehr auf der Bühne zu hören. Man merkt, daß er und seine Band in vielen Richtungen der Musik zu Hause sind. Gab es zu Beginn noch klassisch jüdische Stücke, so wechselte die Musik bald zu improvisierten Klängen, die mal auf dem Balkan verwurzelt schienen, bald nach modernen Jazz klangen. Dann auch wieder leise und zart, wenn Brody sich zurücknahm und Martin Lillich den Baß und Christian Kögel die Gitarre spielten. Die Gitarre übrigens ein seltenes Stück, eine metallenen Resonatorgitarre. Die hat zur akustischen Verstärkung der leisen Gitarrenklänge Membranen eingebaut, die ähnlich wie ein zusätzlicher Gitarrenboden durch die Töne angeregt werden und sie lauter klingen lassen.

Zu allem hatte Brody etwas zu erzählen, an zwei Mikrofonen eine Simultanübersetzung seiner eigenen Moderation improvisierend, ein Mikro für den englischen Text, das andere für sich als sein eigener Übersetzer; dabei vor lustigen Anekdoten nur so übersprudelnd. Die langen Moderationen, leise von seinen beiden Kollegen an Baß und Gitarre begleitet, hatten etwas von Poetry Slam, es machte einfach Spaß zuzuhören. Etwa wenn er eine Geschichte ähnlich der vom Josa mit der Zauberfidel erzählte, nur daß diese beim Spielen immer größer wurde und aus dem Josa – kein Wunder – Martin Lillich mit seinem Baß wurde. Oder die Geschichte  einer türkischen Frau, die ihm in einem Berliner Park eine tradionelle Melodie beibrachte. Die Bestätigung der Echtheit der Geschichte gab es dazu: der Gesang war auf Brodys Mobiltelefon gespeichert und wurde am Mikrofon abgespielt.

Nach der Pause las Naomi Scherer drei Texte von Joseph Roth, aus dessen Buch "Juden auf Wanderschaft". Die Lesung wurde durch die Musiker leise mit Musik unterlegt, was die eindringliche Wirkung der Texte noch verstärkte. Joseph Roths Buch aus dem Jahr 1927 beschreibt die ostjüdische Kultur und die Ankunft der jüdischen Auswanderer in Amerika. Vor dem Hintergrund der heutigen Flüchtlingsströme bekommen die fast hundert Jahre alten Geschichten von Einwanderern und Einwanderungsbehörden und von der nur hinter Maschendraht sichtbaren Freiheitsstatue eine ganz neue Aktualität.

Zum Ende des Abends wurde es musikalisch nochmal bunt und laut auf der Bühne. Fröhliche Balkanmusik, mit der Trompete im Mittelpunkt und einer Band, die dazu nochmal alle Register zog.